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Traditionelle Lehmbauweise in Marokko
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TRADITIONELLE LEHMBAUWEISE IN MAROKKO
Imposante Wehr- und Wohnanlagen der Berber

   

von Anika Batschi


Die erdfarbenen Bauten heben sich mit ihren Türmen und Zinnen weithin sichtbar gegen den Himmel ab. Aus der Ferne betrachtet sehen sie aus wie gigantische Sandburgen, die jemand an den Rand der Wüste gebaut hat. Entlang der Straße der Kasbahs im Süden Marokkos stehen zahlreiche dieser ehemaligen Wehrburgen aus Stampflehm – und sogar ganze Wehrdörfer.

Ksar Ait Benhaddou
Ksar Ait Benhaddou
© Harald Kother


Die Lehmarchitektur der Berber ist besonders rund um das Atlasgebirge verbreitet. Dabei gibt es verschiedene Arten befestigter Bauten, die je nach Funktion oder Gebiet unterschiedlich bezeichnet werden. Die Kasbahs wurden als Wehranlagen der  Stammesfürsten errichtet und dienten bis in die 1950er Jahre vor allem als Festungen, aber auch als Wohnungen für die Großfamilie und Erntespeicher. Teilweise sind diese Bauten zu so genannten Ksour (Singular: Ksar), Wehrdörfern, zusammengefasst.

Tighremts sind Wohnburgen aus Stampflehm. Häufig werden sie ebenfalls als Kasbahs bezeichnet, genau genommen handelt es sich aber bei diesen Bauten um reine Wohnanlagen und militärische Aspekte spielen kaum eine Rolle. Südlich des Hohen Atlas nennt man die Burgen Agadire. Aufgrund der höheren und feuchteren Lage dieser Regionen sind sie dort hauptsächlich aus Felssteinen gebaut und mit Lehm verputzt.

Bauart mit Lehm
Die traditionelle Lehmbauweise in Südmarokko ist außergewöhnlich, man findet sonst nur im Jemen und in Timbuktu in Mali noch vereinzelt ähnliche Architektur. Für den Stampflehm wird ein Brei aus Lehm, Wasser und gehäckseltem Maisstroh in hölzerne Gussformen gefüllt, die auf das bereits fertige Mauerwerk gesetzt sind. Das Gemisch trocknet in der Sonne und so entstehen Lehmquader, die sich aneinanderreihen und schichten lassen. Die Formen, die auf Knüppeln in der Wand stehen, können nach dem Trocknen entnommen und auf dem entstandenen Mauerstück erneut verwendet werden. Nach dem Entfernen der Knüppel bleiben kleine Löcher in der Wand zurück, die oft noch zu sehen sind. Sie werden in der Regel nur bei repräsentativen Bauwerken verputzt.


Ornamente am Turm einer Kasbah
Ornamente am Turm einer Kasbah
© Wikimedia / Hans Peter Schaefer /
Lizenz: CC 3.0

 Kasbah Taourirt in Ouarzazate
Kasbah Taourirt in Ouarzazate
© Wikimedia / Bjørn Christian Tørrissen /
Lizenz: CC 3.0

Hotel Kasbah Baha Baha
Hotel Kasbah Baha Baha
© Harald Kother

 Kasbah Telouet mit Storchennestern
Kasbah Telouet mit Storchennestern
© Harald Kother


Das Lehmgemisch als Baumaterial bietet gerade bei den Temperaturen in dem nordafrikanischen Land einen entscheidenden Vorteil gegenüber beispielsweise Beton. Die dicken Mauern halten tagsüber die Hitze aus den Gebäuden fern, speichern die Wärme aber für die Nacht, um die Kälte auszugleichen. Betonhäuser würden sich vor allem im Sommer extrem aufheizen.

Zwar wurden die Kasbahs in erster Linie funktional gebaut, doch besonders in den oberen Bereichen sind oft aufwändige Verzierungen zu sehen. Die in den Lehm geritzten Ornamente erfüllen neben stammesabhängigen Bedeutungen auch einen magischen Zweck: Sie sollen böse Geister und Unglück fernhalten. Auch die dekorativ an den Fassaden angebrachten Lehmziegel, angeordnet in bestimmten geometrischen Mustern, sind dafür gedacht.

Machtzeugnisse des Paschas El Glaoui
Viele Kasbahs stehen mit dem einflussreichen Berberstamm Glaoua in Verbindung. 1912 wurde ein Großteil Marokkos zum französischen Protektorat und war somit Frankreich untergeordnet. Im Gegensatz zu einer Kolonie verfügte das Land offiziell noch über Selbstverwaltungsrechte in bestimmten Bereichen und der Sultan blieb formal Herrscher des Landes. Thami El Glaoui, Pascha von Marrakesch und Oberhaupt der Glaoua, verbündete sich mit dem Protektoratsregime und baute so seinen Reichtum und seine Macht über Südmarokko aus. Mit Hilfe der Franzosen konnte er aufständische Stämme bezwingen und wurde einer der einflussreichsten Männer des Landes.

El Glaoui bekämpfte neben den Nationalisten auch den mit der Bewegung sympathisierenden Sultan Mohammed V. mit dem Ziel, ihn zu stürzen. 1953 wurde der Sultan ins Exil verbannt, doch zunehmende Unruhen in der Bevölkerung führten dazu, dass er 1955 zurückgeholt werden musste. 1956 erreichte Marokko schließlich die Unabhängigkeit und ein Jahr später wurde Mohammed V. zum König des Landes. Damit endete die unrühmliche Macht des Paschas El Glaoui.

Die "Straße der 1000 Kasbahs"
Das neue Königshaus duldete nun keine Anhänger des verhassten Paschas mehr. Da El Glaoui mehrere Kasbahs zuvor selbst als Herrschersitz genutzt hatte und viele weitere von Stammesmitgliedern bewohnt wurden, zerstörte man einige der Wehrburgen systematisch und verfolgte die Pascha-treuen Bewohner. Andere überließ man leerstehend sich selbst, nur wenige sind heute noch bewohnt.

Das Lehmbaumaterial verfällt durch Witterungseinflüsse ziemlich schnell, wenn es nicht kontinuierlich instand gehalten und gepflegt wird. Nach den seltenen Regengüssen muss jedes Mal nachgebessert werden. Erst durch zunehmendes Interesse von Touristen an den Bauwerken ab den 1980er Jahren wurden einige restauriert. Deshalb findet man heute unterschiedlich erhaltene Kasbahs und Ksour.


Besonders entlang der so genannten „Straße der 1000 Kasbahs“ im Flusstal des Dades stehen noch beeindruckende Lehmburgen. Die Strecke beginnt in Ouarzazate – der heißesten Stadt des Landes, wie es heißt – mit der Kasbah Taourirt. Am Stadtrand befinden sich die Atlas Studios, die ersten dauerhaften Filmstudios Marokkos. Die Kasbah diente schon mehrmals als Kulisse für Filmproduktionen. Die Studios erlangten internationale Bedeutung, deshalb ist die Gegend auch als „Hollywood Marokkos“ bekannt. Einige Kilometer entfernt liegt der berühmte Ksar Ait Benhaddou, der seit 1987 zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. In der Lehmbausiedlung wurden bekannte Filme wie „Die Mumie“ und „Gladiator“ gedreht. Das große Tor vor der Anlage gehörte ursprünglich nicht zur Siedlung, sondern wurde als Filmkulisse für Szenen aus „Sodom und Gomorrha“ errichtet und blieb danach stehen.

In einer Kasbah übernachten
Auf der Route von Ouarzazate bis nach Tinerhir passiert man Skoura. Neben einer riesigen Dattelpalmenoase stehen auch in diesem Ort einige historische Kasbahs, die zu den schönsten erhaltenen gezählt werden. Die Kasbah Ait Ben Moro wurde restauriert und zu einem Hotel umgebaut. In einigen anderen restaurierten Kasbahs kann man ebenfalls übernachten. Zudem werden viele neue Hotels optisch im Stil der alten Wehrburgen gebaut. Auf der Strecke von Ouarzazate nach Zagora finden an der Lehmarchitektur Interessierte weitere sehenswerte Bauwerke, zum Beispiel in Agdz.

Das Dorf Telouet im Hohen Atlas wiederum beherbergt eine gewaltige Kasbah, die bereits deutliche Verfallsspuren aufweist. Es handelt sich um die ehemalige Stammburg des Paschas El Glaoui, deshalb unterstützt der Staat die Erhaltung der Anlage nicht. Die Innenräume sind reichhaltig verziert – vergleichbar mit den repräsentativen Bauten in Marrakesch, insbesondere dem Bahia-Palast. Das Gebäude ist jedoch komplett verlassen. Auf dem Dach nisten Störche und ein Teil der Lehmmauern wurde schon vom gelegentlichen Regen weggespült.

 


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Unsere Literaturempfehlung:
SÜDMAROKKO - Der Reiseführer von Lutz Redecker


"Ein echtes Individualistenziel und ein Paradies für Naturgenießer: abgelegene Meeresbuchten, die faszinierende Bergwelt des Atlasgebirges, endlose Sand- und Steinwüsten, Hochplateaus mit weichgrünen Oasen und blühenden Mimosen- und Mandelhainen im Frühjahr. Kulturell ist der Süden Marokkos von islamisch-berberischen Traditionen geprägt. Die Städte sind nicht weniger faszinierend als die Natur, ein Besuch der Medinas mit ihren Gassenlabyrinthen, Treppchen und versteckten Durchgängen steckt voller Überraschungen. Einer der Höhepunkte ist Marrakesch mit seinen prächtigen Bauwerken und bunten Basaren, in denen man sich fast verlieren kann. Zu all dem kommt eine wirklich außerordentliche Gastkultur, die immer mehr Freunde findet."

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