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Der Gottorfer Globus
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DER GOTTORFER GLOBUS
Geschichtsträchtiges Meisterwerk mitten im Barockgarten

   

von Anika Batschi

"Bitte einsteigen!" Ein paar Stufen über dem Boden klettert man durch eine Luke in die Kugel hinein, nimmt in ihrem Inneren Platz und bewundert das Firmament mit den vielen Sternbildern. Erst seit einigen Jahren besitzt Schleswig wieder einen begehbaren Riesenglobus, dessen Original  aus dem 17. Jahrhundert als frühestes Planetarium der Welt gilt. Die Nachbildung hat ein bedeutendes Stück Geschichte in den hohen Norden zurückgebracht.

"Bitte einsteigen!"
"Bitte einsteigen!"
© Anika Batschi


Kinder unter sechs Jahren und Menschen mit gesundheitlichen Risiken wie Platzangst sollten nicht mitfahren, warnen die Betreiber. Etwas eng ist es ja im Inneren. Wenn man allerdings bedenkt, dass man hier in einem Globus sitzt, finden mit bis zu zehn Personen auf der umlaufenden Holzbank schon ziemlich viele Besucher auf einmal Platz. Nur acht Minuten dauert es, bis der Sternenhimmel einen komplett umrundet hat, ein Tag im Schnelldurchlauf. Wirklich gefahren wird also nicht im Globus, denn die Kugel dreht sich um ihre Insassen herum und man selbst bewegt sich nicht. Der Antrieb erfolgt heute elektrisch – ursprünglich war der durch einen Wassermühlenantrieb verursachte Rundlauf erst nach 24 Stunden abgeschlossen. Bei Bedarf konnte mit einer Handkurbel und Muskelkraft nachgeholfen werden.

Entstehung einer Weltneuheit
Vor mehr als 360 Jahren ließ der wissenschaftlich interessierte Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf, der hier an der Schlei residierte, den originalen Riesenglobus bauen. Unter der Leitung seines Hofgelehrten Adam Olearius entstand ab 1651 eine zu dieser Zeit einzigartige Erdkugel mit einem Durchmesser von 3,1 Metern. Auf ihrer Außenseite war die bekannte Welt kartographisch aufgemalt. Das Firmament auf der Innenseite zeigte den Sternenhimmel und den Lauf der Sonne so, wie man beides von der Erde aus sieht. Weltweit berühmt wurde dieses Meisterwerk nicht nur durch seine Größe, sondern auch, weil man in den Hohlglobus hineinsteigen und dieser sich dabei wie die Erde um seine eigene Achse drehen konnte. Außerdem war es erstmals gelungen, Erde und Himmel gleichzeitig abzubilden, ohne – wie zuvor üblich – zwei Globen zu benötigen.


Gemälde im Inneren
Gemälde im Inneren
© Anika Batschi

 Außenansicht
Außenansicht
© Anika Batschi

 Das Gottorfer Wappen ziert die Luke
Das Gottorfer Wappen ziert die Luke
© Anika Batschi

 Das neue Globushaus
Das neue Globushaus
© Anika Batschi

 Ausblick von der Dachterrasse auf den Herkulesteich, im Hintergrund Schloss Gottorf
Ausblick von der Dachterrasse auf
den Herkulesteich, im Hintergrund
das Gottorfer Schloss
© Anika Batschi


Noch heute unternimmt man in dem Apparat eine kurze Reise durch die Tierkreiszeichen, die als barocke Gemälde das Himmelszelt zieren. Alle Figuren sind zusätzlich beschriftet: "Capricornus", "Taurus", "Cancer", "Leo". So sieht jeder Besucher sein Sternzeichen vorüberziehen. Die Dame, die im Rahmen der Führung den Globus von innen bedient, erklärt die an der griechischen Mythologie orientierten Sternbilder. Unzählige goldene Metallsterne in sechs verschiedenen Größen verdeutlichen neben der jeweiligen Position der Himmelskörper auch ihre Helligkeit. Gemeinsam entdeckt man bekannte Formationen wie den Großen Wagen, Kassiopeia und Orion. Dieses Himmelsmodell war im originalen Globus das erste, das die Lage und Winkel der Sterne zueinander richtig darstellte. Deshalb wird das barocke Sternentheater heute als frühestes Planetarium gesehen.

Wie der Zar den Globus mitnahm
Lange Zeit sah es danach aus, als sei das bedeutende Werk damaliger wissenschaftlicher Erkenntnisse und Handwerkskunst für Schleswig gänzlich verloren. Denn der originale Globus blieb nur etwa 50 Jahre in dem prächtigen, eigens dafür errichteten Lusthaus im barocken Garten nahe des Gottorfer Schlosses stehen. Inzwischen war Christian Albrecht Herzog am Hof. Er war Sohn und Nachfolger Friedrichs III., der bereits vor der Fertigstellung des von ihm in Auftrag gegebenen Globus starb.

1713 kam Zar Peter der Große im Zuge des Nordischen Krieges nach Schleswig. Er trat als Verbündeter des siegreichen dänischen Königs auf und war so begeistert von dem Riesenglobus, dass er diesen als "Geschenk" erbat. Dem konnte man nichts entgegensetzen, also begann kurz darauf die spektakuläre Reise der Kugel nach St. Petersburg. Dreieinhalb Jahre dauerte es, bis das astronomische Wunderwerk seinen Bestimmungsort in Russland erreichte. Man transportierte Kugel und Zubehör in Holzkisten, die historischen Quellen zufolge etwa vier Tonnen gewogen haben sollen.

Über den Seeweg gelangten die Kisten ins heutige Tallinn. Von dort aus mussten sie auf speziellen Schlitten weiter über das Land bewegt werden, weshalb das Vorhaben nur im Winter fortgesetzt werden konnte. Bis zu 800 Bauern zogen angeblich die Schlitten und 300 Dragoner sicherten den Transport. Unterwegs sollen Brücken gebaut und Bäume abgeholzt worden sein, um die Weiterreise zu ermöglichen. In St. Petersburg platzierte man den Globus in der Kunstkammer des Zaren, die jedoch 30 Jahre später ausbrannte. Das wertvolle Stück verlor die originale Bemalung und wurde fast vollständig zerstört. Nach mehrmaligen Restaurierungen und Wechseln des Ausstellungsortes steht der Globus heute wieder in der St. Petersburger Kunstkammer, ist aber nicht mehr zu besichtigen.

Rekonstruktion für Schloss Gottorf
Das Gottorfer Wunderwerk wurde nach langen Planungen und Studien schließlich zwischen 2002 und 2005 originalgetreu nachgebaut. Seit 2005 kann man wieder einen Riesenglobus im neu erbauten Globushaus bewundern. Etwa 800 Meter nördlich von Schloss Gottorf, das auf der Schlossinsel heute die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen beherbergt, legte man nach historischem Vorbild auch wieder einen prächtigen Barockgarten an. So gelangen Besucher über einen idyllischen Gartenpfad bis zum Globushaus, das im unteren Teil steht.

Der im italienischen Stil gehaltene Terrassengarten, damals als Neues Werk bezeichnet, war im 17. Jahrhundert der erste seiner Art in Mitteleuropa. Einst noch um einige Teile größer als heute, verfügte er über zahlreiche nicht in der Region heimische Pflanzen. Einige davon haben die Zeit überdauert und konnten nachgezüchtet werden, darunter bestimmte Buchsbaumsorten. Auf der untersten Ebene der Terrassen liegt der ebenfalls rekonstruierte Herkulesteich. In der Mitte des Gewässers erhebt sich eine kolossale Statue, die Herkules im Kampf mit der Hydra darstellt. Die erhaltenen Überreste der ursprünglichen Statue sind im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte ausgestellt.


Besichtigung der Erdkugel
Das neu gebaute, recht kleine Globushaus hat kaum noch etwas mit dem ehemaligen Lustschlösschen im Stil der Spätrenaissance gemeinsam. Es besteht aus drei Etagen: In der zweiten steht der Globus, in der dritten befindet sich eine Dachterrasse mit herrlichem Ausblick über Garten und Teich. Hier erfährt man die geschichtlichen Hintergründe und wissenswerte Fakten mittels Audioguides. Im Rahmen einer persönlichen Führung klettern außerdem bis zu zehn Besucher in die Riesenkugel. Es lohnt sich, die kartographischen Bemalungen auf der Außenseite besonders genau zu betrachten. Wie beim originalen Vorbild aus der Zeit Friedrichs III. sind den einzelnen Erdteilen symbolhaft Tiere zugeordnet, die man bereits kannte. So sieht man in Afrika Bilder von Löwen und Nashörnern. Auf noch weniger erforschten Kontinenten wie Südamerika finden sich neben Lamas auch Seeungeheuer, Misch- und Fabelwesen nach den damaligen Vorstellungen der Menschen.

Das Globushaus ist zwar auch außerhalb der Führungen zu besichtigen, doch man sollte unbedingt an einer solchen teilnehmen, um die Kugel von innen sehen zu können. Damals wurde die Vorführung der Sternbilder übrigens im Kerzenschein ausgerichtet, heute ist eine indirekte elektrische Beleuchtung am Rand der Sitzbank angebracht. Wer sich also wundert, dass die vielen Sterne nicht ebenfalls leuchten – man legt Wert auf eine authentische Vermittlung der historischen Umstände.


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