1. Tag (Mi. 26.05.): Anreise nach Stuttgart
Individuelle Anreise nach Stuttgart. Sie treffen Ihren Reiseleiter gegen 15 Uhr im Hotel. Fahrt mit der Stadtbahn zum Rathaus, wo sich in der Nähe die zentrale und interaktive IBA-Ausstellung im ehemaligen Galeria-Kaufhaus befindet. Dort stellt die IBA’27 die Resultate ihrer Arbeit vor und zeigt anhand von ausgewählten Projekten Antworten auf zentrale Fragen: Welche Wohnungen brauchen wir in Zukunft? Welche Potenziale schlummern in unternutzten und brachfallenden Gewerbegebieten? Wie kann sich die Region an die Klimakrise anpassen – und wie können unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen und Initiativen ihren Beitrag zum notwendigen Wandel leisten?
Im Anschluss folgt noch ein kurzer Rundgang durch das historische Zentrum von Stuttgart. Dabei geht es vorbei am barocken Neuen Schloss, hinüber zum Alten Schloss mit seinem herrlichen Renaissance-Innenhof und weiter zum klassizistischen Königsbau am Schlossplatz. Der Rundgang endet an einem Brauhaus, wo Sie sich auf schwäbische Spezialitäten freuen dürfen.
2. Tag (Do. 27.05.): Weissenhof-Siedlung, Bauforschung erleben in Stuttgart-Vaihingen, Schauwerk
Dass die IBA Stuttgart im Jahr 2027 stattfindet, ist kein Zufall. Denn exakt vor 100 Jahren erhielt die Architektur-Avantgarde in Stuttgart auf dem Weissenhof eine Bühne, die in der Folge den Wohnungsbau weit über Deutschland hinaus prägte. Anlässlich dieses Jubiläums baut die Stadt Stuttgart als IBA’27-Projekt am Eingang der Siedlung ein neues Besucher- und Informationszentrum. Die IBA wird hier ihre kritische Auseinandersetzung mit der Siedlung und ihrem Umfeld und die daraus entstandenen Gebäude und Projekte präsentieren. Auch die Siedlung selbst erfährt eine behutsame Auffrischung – mit dem Umbau der Brenzkirche in direkter Nachbarschaft.
Bauforschung direkt erleben
Im Anschluss an die Führung durch Ausstellung und Siedlung besteht Gelegenheit zur Mittagspause im neu errichteten Café des Besucherzentrums. Danach geht es weiter mit der Bahn an den Campus Vaihingen der Universität Stuttgart, der seit den 1970er-Jahren Demonstrations- und Versuchsort für bautechnische und architektonische Experimente ist. Mit dem IBA’27-Projekt „IntCDC Building“ entsteht hier nun ein Forschungsgebäude der Uni, in dem viele Erkenntnisse aus 20 Jahren Bauforschung in ein dauerhaftes Gebäude übersetzt werden. Während des Ausstellungsjahres wird der Bau im Entstehen sein – als erlebbare Baustelle eines neuen, digital geprägten Bauens.
Hinzu kommt das IBA’27-Projekt „Adaptives Demonstrator-Hochhaus“: An dem bereits in Betrieb befindlichen Testturm werden Fassaden und Strukturen erprobt, die sich selbstregelnd an verschiedene Umweltbedingungen anpassen können.
Unterkühlte Kunst
Am Nachmittag fahren wir weiter mit der S-Bahn nach Süden zum Schauwerk Sindelfingen, das mitten in einem Industriegebiet eine der bemerkenswertesten privaten Kunstsammlungen im Großraum Stuttgart beherbergt. Das Museum geht auf den Unternehmer Peter Schaufler zurück, der die benachbarte Firma Bitzer zu einem weltweit führenden Hersteller von Kälte- und Klimatechnik ausbaute. Gemeinsam mit seiner Frau Christiane Schaufler-Münch trug er seit 1979 eine bedeutende Sammlung zeitgenössischer Kunst zusammen. Schwerpunkte bilden Minimal Art, Konzeptkunst, Konkrete Kunst und Arte Povera. Die oft reduzierte, klare Formensprache dieser Kunstrichtungen findet ihre Entsprechung in der zurückhaltenden Architektur des Museumsgebäudes, das sich auf den ersten Blick kaum von den benachbarten Industriebauten unterscheidet.
Kälte war das berufliche Elixier des Unternehmers Schaufler – und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich Schaufler als Kunstsammler vor allem für jene Kunstströmungen interessierte, die einen nüchtern-kühlen Charakter haben. Bei einer Führung lernen wir die aktuelle Sammlungspräsentation kennen.
Auf dem Weg zurück in die Stadt machen wir Station in einer traditionsreichen Wirtschaft, wo Sie sich einmal mehr auf schwäbische Spezialitäten freuen dürfen.
3. Tag (Fr. 28.05.): Würth-Museen mit Sonderausstellungen Anselm Kiefer und Stephan Balkenhol
Der Schraubenhändler Reinhold Würth zählt zu den größten Kunstsammlern und Mäzenen Deutschlands. Seine Sammlung besteht mittlerweile aus mehr als 20.000 Werken. Zunächst kaufte er Werke des Spätimpressionismus und des Expressionismus– genauso wie Malerei und Skulptur der Renaissance. Aber auch die aktuelle Kunst stieß bei ihm von Anbeginn auf Interesse – und bildet heute den Schwerpunkt. Der größte Teil der Arbeiten entspringt dem 20. und 21. Jhdt. Neben Pablo Picasso, Henry Moore, Eduardo Chillida sind dies u.a. Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Christo und Jeanne-Claude, Stephan Balkenhol etc. Neben diesen internationalen Stars sind außerdem viele regionale Künstler vertreten.
Im Jahr 2027 präsentiert Würth parallel zwei außerordentliche Sonderausstellungen:
- Anlässlich des 70. Geburtstags des Bildhauers zeigt das Museum Würth in Künzelsau-Gaisbach noch bis zum 11. Juli 2027 eine große Retrospektive mit dem Titel „Stephan Balkenhol. Sammlung Würth und Leihgaben“. Zu sehen sind die charakteristischen Holzskulpturen und Grafiken des Künstlers.
- Und unter dem Titel „Alles, was der Fall ist“ präsentiert die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall eine große Anselm-Kiefer-Ausstellung. Zu sehen werden rund 70 bis 90 Werke aus der Sammlung Würth und Atelier-Leihgaben sein.
Wir fahren mit dem Regionalexpress zunächst nach Schwäbisch Hall und besuchen im Rahmen einer Führung zunächst die Ausstellung in der Kunsthalle Würth. Im Anschluss geht es weiter mit dem Linienbus ins 20 Kilometer weiter nördlich gelegene Gaisbach. Dort lernen wir bei einer weiteren Führung die dortige Sonderausstellung kennen. Danach bleibt Zeit für eine individuelle Vertiefung der Sammlung, einen Besuch im Skulpturengarten und eine Kaffeepause.
Am hinteren Ende des Skulpturengartens befindet sich übrigens seit kurzem ein neues Kunst- und Architektur-Highlight: Weil das Werk „Schwarze Flocken“ von Anselm Kiefer aus Würths Sammlungsbestand mit seinen 11 Metern Höhe nicht in den neuen Museumsanbau in Schwäbisch Hall passte, beauftragte der Kunstsammler kurzerhand den Star-Architekten Chipperfield mit dem Bau eines Pavillons nur für dieses Kunstwerk.
Mittelalterliche Stadtperle
Rückfahrt nach Schwäbisch Hall, wo wir uns noch ganz in Ruhe das mittelalterliche Stadtzentrum ansehen werden. Wie der Name Hall schon verrät, wurde die Stadt durch Salz reich. Schon die Kelten nutzten mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung die salzhaltige Quelle zur Gewinnung des begehrten Rohstoffs. Richtig Schwung kam in die Salzgewinnung jedoch erst im Mittelalter. Die Stadt blühte damals regelrecht auf – was man ihr heute nach ansieht. Schwäbisch Hall war freie Reichsstadt sowie wichtiges Handels- und Tuchmacherzentrum.
Die Stadt liegt idyllisch am Hang des Kochertales und lädt zum Verweilen ein, was wir tun werden: Wir bleiben zum gemeinsamen Abendessen in Schwäbisch Hall und fahren erst spät mit dem Zug zurück nach Stuttgart.
4. Tag (Sa. 29.05.): Neckarspinnerei, Sammlung Domnick
Am Morgen geht es zunächst nach Wendlingen am Neckar, einem weiteren wichtigen Schauplatz des IBA-Ausstellungsjahres. Direkt am Bahnhof empfängt das vielbeachtete Holzparkhaus die Besucher, ein sorgfältig gestalteter moderner Holzbau und innovativ gedachtes Infrastrukturbauwerk. Auf dem nahen Gelände der ehemaligen Neckarspinnerei entsteht zudem Schritt für Schritt ein lebendiges Quartier, in dem Arbeiten und Wohnen wieder enger zusammenrücken. Historische Industriegebäude werden weitergebaut, neue Nutzungen ziehen ein und großzügige Grünräume schaffen Aufenthaltsqualität entlang des Neckars. Bis 2027 wird ein großer Teil des teils denkmalgeschützten Bestands umgebaut und bezogen sein.
Danach Weiterfahrt nach Nürtingen, wo mit der Bahnstadt Nürtingen ebenfalls ein IBA-Projekt entsteht. Gelegenheit zur Mittagspause und Bummel durch den historischen Stadtkern, bevor wir mit dem Linienbus auf die Oberensinger Höhe fahren, wo sich ein architektonisches Kleinod der Nachkriegszeit befindet: die Villa Domnick.
Der Psychiater und Klinikdirektor Ottomar Domnick war nicht nur ein leidenschaftlicher Kunstsammler, sondern auch ein aktiver Förderer der Moderne. Er pflegte eine enge Freundschaft mit Willi Baumeister, engagierte sich als Filmproduzent und Drehbuchautor und war darüber hinaus ein begeisterter Porsche-Fahrer der ersten Stunde. Gemeinsam mit seiner Frau Greta sammelte er vor allem abstrakte Malerei der Nachkriegszeit, darunter bedeutende Werke von Willi Baumeister, Hans Hartung und Fritz Winter. Für die Sammlung ließ das Ehepaar 1967 eine großzügige Villa mit eigenen Ausstellungsräumen errichten. Der außergewöhnliche Bau inmitten einer weitläufigen Grünanlage beeindruckt durch seine klare moderne Architektur und sein offenes Raumkonzept. Heute stehen sowohl das Gebäude als auch der umgebende Skulpturengarten unter Denkmalschutz. Bei gutem Wetter genießen wir von hier einen weiten Blick auf die Schwäbische Alb.
5. Tag (So. 30.05.): weitere IBA-Projekte, Heimreise
Heute Vormittag beschäftigen wir uns noch mit weiteren IBA-Projekten im Stadtgebiet, z.B. den IBA’27-Projekten „Quartier am Rotweg“ und „Böckinger Straße“ im Stadtteil Stuttgart-Rot. Die IBA zeigt hier, wie sich bestehende Wohnsiedlungen mit neuen Wohnformen, gut gestalteten öffentlichen Räumen und gemeinschaftlich nutzbaren Orten weiterentwickeln lassen.
Die beiden Quartiersentwicklungen mit zusammen mehr als 600 neuen Wohnungen werden im Jahr 2027 fertiggestellt sein und sich vor Ort präsentieren. Ein Rundgang durch das Viertel gibt außerdem Einblicke in die jüngere Architektur- und Stadtgeschichte. Stuttgart-Rot war die erste Nachkriegssiedlung der Stadt und seinerzeit das größte Siedlungsprojekt der jungen Bundesrepublik. Hans Scharoun, ein Architekt des Weissenhofs, baute hier in den Fünfzigerjahren die Hochhäuser Romeo und Julia. In Fußdistanz liegt außerdem das mobile Hallenbad aus Holzmodulen – seit kurzem ebenfalls ein IBA’27-Projekt.
Am Nachmittag ab ca. 15 Uhr dann Heimreise – oder individuelle Verlängerung.